1. Was ist Zöliakie/Was ist Gluten?

2. Unterschied zwischen Zöliakie und Sprue?

3. Welche Nahrungsmittel sind betroffen, welche nicht?

4. Welche Symptome treten bei Zöliakie auf?

5. Wie wird die Zöliakie diagnostiziert?

6. Wie häufig ist Zöliakie?

7. Wie wird die Zöliakie behandelt?

8. Garantiert glutenfrei?

9. Wer hilft sonst weiter?


1. Was ist Zöliakie/Was ist Gluten?
Bei Zöliakie handelt es sich um eine Unverträglichkeit des Organismus gegenüber dem in Getreide enthaltenen Klebereiweiß Gluten. Alle Nährstoffe der konsumierten Nahrung werden im Dünndarm aufgenommen. Für eine möglichst große Aufnahmefläche ist die Oberfläche des Dünndarms vielfach gefaltet, die sogenannten Darmzotten. Ist der Darm in Folge der Glutenunverträglichkeit gereizt, bzw. entzündet, verflachen die Zotten, die Aufnahme von Nährstoffen ist nicht mehr ausreichend sichergestellt.
Gluten (besteht hauptsächlich aus den Aminosäuren Glutamin und Prolin) klebt im Teig die Stärkekörner zusammen. Gluten bildet beim Gehen des Teiges ein stützendes Netz, dass das Gas im Teig hält und zu einer lockeren Krume führt. Zusätzlich hält das Gluten die Feuchtigkeit in den Backwaren.


2. Unterschied zwischen Zöliakie und Sprue?
Wird die Erkrankung im Kindesalter diagnostiziert, spricht man von Zöliakie. Tritt sie erst im Erwachsenenalter auf oder wird dann erst diagnostiziert, bezeichnet man sie als Sprue.


3. Welche Nahrungsmittel sind betroffen, welche nicht?
Gluten ist in allen konventionellen Back- und Teigwaren, z.B. in Brot, Brötchen, Kuchen, Nudeln und Pizza enthalten. Da es sich positiv auf die Verarbeitbarkeit auswirkt, wird es auch häufig in eigentlich glutenfreien verarbeiteten Lebensmitteln verwendet. Vielfach ist der Einsatz in verarbeiteten Lebensmitteln nicht sichtbar. Beispielsweise können Rosinen und Trockenobst mehliert sein, damit sie nicht zusammenkleben. Auch in Gewürzmischungen oder einzelnen gemahlenen Gewürzen kann glutenhaltiges Mehl enthalten sein. Weitere mögliche Beispiele sind Ketchup, Kartoffel- und Milchprodukte, Schokoladen und Süßwaren. Viele eigentlich glutenfreie Produkte sind so also kontaminiert.
Daher ist es für einen Zöliakie-Betroffenen dringend erforderlich, jedes verarbeitete Lebensmittel genau zu überprüfen, z. B. anhand der Zutatenliste des Produktes. Sicherer ist die Überprüfung mit der Aufstellung glutenfreier Lebensmittel der DZG, da die Zutatenlisten gelegentlich nicht zutreffend oder vollständig sind. Wichtig ist, dass auch Spuren von Gluten möglichst vermieden werden.
Glutenhaltige Getreide sind

  • Weizen
  • Gerste
  • Roggen
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Kamut
  • Einkorn
  • Urkorn
  • Emmer.
  • Hafer enthält anscheinend kein Gluten. Allerdings wird der in Deutschland erhältliche Hafer auf dem Feld oder in der Mühle mit glutenhaltigem Getreide verunreinigt. Daher gilt in Deutschland angebauter Hafer als nicht glutenfrei.

Glutenfreie Getreide sind

  • Reis
  • Mais
  • Buchweizen
  • Hirse
  • Teff
  • Soja
  • Quinoa
  • Amaranth
  • Darüber hinaus gibt es Traubenkernmehl, Kokosmehl, Kastanienmehl oder Bananenmehl aus Kochbananen.

Weiterhin sind Hülsenfrüchte, Gemüse, Früchte, Fleisch, Fisch, Milch und Ei glutenfrei, solange sie unverarbeitet sind.
Ebenso wie in Lebensmitteln kann Gluten auch in Medikamenten versteckt vorkommen. Daher ist bei jeder Verordnung das Medikament mit dem Arzt anhand der Medikamenten – Liste der DZG (oder mit der Roten Liste des Arztes) auszuwählen.


4. Welche Symptome treten bei Zöliakie auf?
Generell treten bei der Zöliakie Symptome auf, die nicht sofort der Zöliakie zugeordnet werden können. So wird die Zöliakie oft nicht sofort diagnostiziert. Viele Betroffene haben vorher schon etliche Arztbesuche hinter sich, bevor die Krankheit endlich diagnostiziert wird.
Bei Kindern treten häufig folgende Symptome auf:

  • Bauchschmerzen, Wachstumsstörungen
  • Entzündungen
  • Blähbauch
  • Weinerlichkeit, Wesensänderung, Misslaunigkeit
  • Durchfall, Verstopfung, Fettstuhl
  • Blässe, Müdigkeit (z.B. durch Eisenmangel)
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Muskelschwäche
  • Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen

Bei älteren Kindern können zusätzlich auftreten:

  • Zahnschmelzdefekte
  • Knochen- und Gelenkschmerzen, Knochenbrüche
  • Verspätete Pubertät

Beim Erwachsenen treten häufig folgende Symptome auf:

  • Krankheitsgefühl
  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche
  • Müdigkeit, Nervosität
  • Depressionen, Angstzustände, Neuropathien, Epilepsien, Migräne
  • Appetitlosigkeit, Hungergefühl
  • Gewichtsverlust
  • Osteoporose
  • Bei Frauen sind außerdem Zyklusstörungen, Infertilität, Fehlgeburten möglich
  • Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen)
  • Kopfschmerz

Mit Ausnahme der Wachstumsstörungen können beim Erwachsenen auch die bei Kindern genannten Symptome auftreten. Die Symptome der Zöliakie müssen nicht vollständig oder gleichzeitig auftreten.
Welche Begleiterkrankungen gibt es?

  • Morbus Duhring
  • Laktose- oder Fructoseintoleranz
  • Diabetes mellitus
  • Hashimoto und weitere Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • weitere Nahrungsmittelallergien

5. Wie wird die Zöliakie diagnostiziert?
Diagnostiziert wird Zöliakie durch Blutuntersuchungen und eine Dünndarmbiopsie, bei der eine Gewerbeprobe aus dem Dünndarm durch den Magen hin durch entnommen wird.
Erst nach der Diagnose, die nur durch die Dünndarmbiopsie als gesichert gilt, soll mit der glutenfreien Diät begonnen werden. Der Dünndarm regeneriert sich und die Antikörper im Blut sind nicht mehr nachweisbar, wenn Gluten strikt vermieden wird. Die Erkrankung kann dann nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden.


6. Wie häufig ist Zöliakie?
Nach neueren Studien sind etwa 5 bis 10 von 1000 Menschen von der Erkrankung betroffen.
10 bis 20 % der Zöliakiebetroffenen leiden zum Zeitpunkt der Diagnose unter den voll ausgeprägten Symptomen. Bei 80 bis 90 % der Betroffenen treten vereinzelte oder gar keine Symptome auf. Bei diesen Patienten wird die Erkrankung oft sehr spät oder gar nicht diagnostiziert.


7. Wie wird die Zöliakie behandelt?
Die Behandlung der Zöliakie erfolgt durch lebenslanges konsequentes Verzehren glutenfreier Lebensmittel.


8. Garantiert glutenfrei?
Seit dem 25.11.2005 gilt die EU-Verordnung, nach der die häufigsten allergieauslösenden Stoffe auf verpackten Produkten angegeben werden müssen. Produkte können teilweise Spuren von Gluten enthalten, obwohl es eigentlich kein Gluten enthält oder unter den Grenzwerten liegt. Die Grenzwerte, bis zu denen ein Produkt als glutenfrei gilt, liegen bei

  • 200 ppm (0,02%) Gluten wenn sie glutenfreie Weizenstärke enthalten
  • 20 ppm (0,002%) Gluten bei glutenfreien Lebensmitteln

9. Wer hilft sonst weiter?
Erste Anlaufstelle ist die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. in Stuttgart (DZG), eine Selbsthilfeorganisation, unter deren Dach die örtlichen Selbsthilfegruppen zusammengefasst und organisiert sind. Die DZG gibt jedes Jahr die „Aufstellung glutenfreier Lebensmittel und Medikamente“ sowie wichtige Informationen, wie z.B. Veranstaltungen oder eine Liste der Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe heraus.


DZG - Deutsche Zöliakie- Gesellschaft e.V.
Filderhauptstraße 61
70599 Stuttgart

Tel.: 0711/ 45 99 81-0
Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Web: www.dzg-online.de


(Quelle: Querfood)